Die ersten Sonnenstrahlen erreichten das Bergplateau des Untersberges. Schon seit vielen Stunden saß Manni, das kleine Untersberger Mandl auf einem Felsvorsprung und wartete  geduldig den Beginn des Tages ab.

Ein ganz besonderer Tag in seinem Leben. Zum ersten Mal wurde ihm die Ehre zuteil, das Innere des Berges zu verlassen. Alle Hundert Jahre darf ein Mandl hinaus in die Welt und bekommt die Aufgabe die kreisenden Raben über den Gipfeln des Untersberges zu zählen. Sind es vierundzwanzig und umkreisen diese dreimal den Gipfel des Berges kann der Kaiser mit dem Hofstaat im Inneren des Berges erwachen.

 

Manni genoss die ersten Sonnenstrahlen, die sein feuchtes Lodengewand erwärmten. Auch das kleine Dorf am Fuße des Berges wurde langsam mit Licht geflutet und die Menschen erwachten aus dem Schlafe.

 

Wie gerne wäre Manni hinunter in das Dorf. Wie gerne würde er die großen Geschöpfe einmal von der Nähe sehen. Soviele wunderliche Geschichten wurden ihm schon am Feuer sitzend von den Altmandln erzählt. Es begab sich schon ein paar mal in den letzten tausend Jahren, das sich ein mutiges Mandl zu ihnen heruntergetraut hatte. Die meisten sind nicht zurückgekehrt. Von denen, die es geschafft hatten, gibt es noch viele Erzählungen, und diese werden abends von Zwergengeneration zu Zwergengeneration weitergegeben.

 

Sie sind groß, diese Menschen. Groß und mächtig. Viele von ihnen sind stark und böse. Sie zerstören und vernichten. Aber es gibt auch Kluge und Gute. Sie sind voller Liebe und schätzen und ehren die Kreaturen und die Welt.

 

Immer mehr reifte in dem kleinen Zwerg der Wunsch, diese Menschen kennenzulernen. Zumindest aus sicherer Entfernung einmal von der Nähe zu betrachten...